Louis Zimmermann: Aerion
Der Kurzfilm untersucht das Spannungsfeld zwischen technologischem Fortschrittsversprechen und gesellschaftlicher Stagnation. Ausgangspunkt ist eine überzeichnete Gegenwart mit uniformer Architektur, unfertigen Bauprojekten, bedeutungslosen Produktinnovationen und leeren Werbeversprechen. Eine fiktive Kontaktlinse der Firma „Aerion“ verändert die Wahrnehmung des Protagonisten. Seine Welt erscheint nun in einer Retro-Zukunftsästhetik, die an die „Frutiger Aero“-Ästhetik der 2000er erinnert – mit Glanz, Reflexionen, futuristischer Architektur und einer scheinbaren Harmonie zwischen Natur, Technik und Leben.
Lara Rammelsberger: Breathing Underwater
Ein interaktiver Animationsfilm im Stil einer Visual Novel über Entfremdung. Ein Junge erlebt eine zunächst normale und monotone Welt, in der sich jedoch zunehmend einzelne Dinge verändern. Überspitzte Metaphern machen seine entfremdete Wahrnehmung sichtbar: Telefone hängen von der Decke, Pfützen entstehen ohne Regen und Menschen tragen Goldfischgläser anstelle von Köpfen. Nur er empfindet diese Veränderungen als problematisch. Offen bleibt, ob die Welt tatsächlich bedrohlicher wird oder ob sich vielmehr der Junge selbst und damit seine Wahrnehmung verändert.
Josefine Schmid: So Near, So Unclear
Die künstlerische Arbeit ist ein ästhetisch-reflexiver Kurzfilm, der die universelle Wahrheit hinter menschlichen Fassaden untersucht. Im Zentrum steht die U-Bahn als Kulisse: Ein Ort erzwungener physischer Nähe bei gleichzeitiger psychologischer Distanz. Das Projekt konzentriert sich auf unmittelbare Emotionen und macht die inneren Kämpfe sichtbar, die in der Anonymität des Alltags verborgen bleiben. Das Schachbrettmuster symbolisiert als roter Faden die strenge, emotionslose Ordnung des Alltags. Diese Struktur wird aufgebrochen, sobald kleine physische Auslöser das innere Gleichgewicht stören. Mittels visueller Effekte wird der Wechsel zwischen Realität und Gedankenwelt erfahrbar gemacht. Die Botschaft des Films: Da die wahren Beweggründe anderer im Verborgenen liegen, bleibt jedes finale Urteil unmöglich – ein Plädoyer für Empathie statt Bewertung.
Amy Grindau: The One I Want
Der Kurzfilm erzählt die Geschichte von Mia, einer Studentin in Seoul, deren Alltag von festen Routinen und einem Gefühl von Kontrolle geprägt ist. Zwischen Universität, U-Bahn, Smartphone und den vertrauten Wegen durch die Stadt bewegt sie sich durch eine scheinbar alltägliche Umgebung. Diese Sicherheit beginnt jedoch zu zerbrechen, als sie bemerkt, dass ein unbekannter Mann sie beobachtet und ihr zunehmend näherkommt. Was zunächst wie eine zufällige Begegnung erscheint, entwickelt sich zu einer zunehmend bedrohlichen Erfahrung. Der Film untersucht dadurch die Ambivalenz von Sicherheit und Kontrolle in einer zunehmend überwachten Gesellschaft. Die Grenze zwischen öffentlichem und privatem Raum, zwischen Beobachten und Beobachtetwerden, beginnt sich aufzulösen. Was zunächst Vertrautheit und Sicherheit vermittelt, wird zu einer Quelle der Bedrohung.
Abitha Jayamohan: Touchgrass#2
Eine multimediale Installation, die das Verhältnis zwischen Mensch, Technologie und Natur untersucht. Inspiriert vom Internet-Slang „touch grass“, einer sarkastischen Aufforderung, sich vom Bildschirm zu lösen und wieder mit der Realität in Verbindung zu treten, hinterfragt die Arbeit, was es bedeutet, Natur im Zeitalter der Hypervernetzung zu erleben. Endlose Memes, ständiges Doomscrolling und Algorithmen prägen dabei unseren digitalen Alltag. Die Arbeit besteht aus einer Videoinstallation mit realen Naturaufnahmen und digital bearbeiteten Bildern und Videos. Begleitet werden die Bilder von einer geschichteten, verzerrten Klanglandschaft und einer wiederkehrenden synthetischen Stimme, die die Aufforderung „go touch some grass“ verstärkt. Übergroße künstliche Blumen und synthetisches Gras vervollständigen die immersive Umgebung.
Chiara Luongo: Wir werden die Sonne nicht kaufen können
Generationen gefangen im endlosen Kreislauf der Arbeit. Angespannt, fremdbestimmt, erschöpft. Ihre Körper tragen Spuren von Pflichten und Erwartungen, die sich unmerklich auf uns übertragen haben. Zwischen den Generationen wächst eine Distanz. Während die Jugend sich befreien will, sucht sie gleichzeitig nach Nähe. Die Jugend beginnt, ihren eigenen Rhythmus zu leben jenseits des Zuhauses, aber mit einer stillen Sehnsucht nach etwas, das sich wie Verbundenheit oder sogar wie Heimat anfühlt. Vielleicht geht es nicht darum, Schuldige zu suchen, sondern zu verstehen. Ein Kurzfilm über das Dazwischen, zwischen den Generationen der Arbeiterklasse. Über die Sehnsucht junger Menschen nach Freiheit und Zugehörigkeit. Ein Kurzfilm, der künstlerisch den Druck von Eltern aus der Arbeiterklasse als Ausgangspunkt nimmt und zeigt, wie er sich auf deren Kinder auswirkt.
