Hey Team, meine Künstler, meine Sponsoren und Freunde,
jetzt bin ich echt schon 25 geworden, ganz schön alt …
Stellt euch vor, mir singt ein Stadtrat ein Ständchen mit dem Publikum zum Geburtstag – wow!
Eine Band hat mir sogar einen Koffer geschenkt, jetzt kann ich noch schöner in die Hallen fahren. Vielen Dank Flaming Fenix super. Da ist dann auch noch Platz für viel mehr Bandsticker, die dann zu meinen nächsten Geburtstagen drauf kommen …
Danke auch an Rosa Mars für’s super Essen, kann Dir sagen hat allen sehr gut geschmeckt und danke auch „Pali“ und Hofbräu für Deine Getränke, wir waren echt durstig. Gut, dass Du da so an uns gedacht hast.
Danke Stadt München war toll, dass Du den Platz (Muffatwerk) „klar“ gemacht hast, hätte echt nicht gewusst wo ich die vielen Leute bei mir zu Hause hätte unterbringen können.
Es war super mit Euch zu feiern, ich bin so glücklich, so ein schöner Geburtstag!
Aber jetzt ruhe ich mich erst mal aus vom feiern … muss auch noch aufräumen und so weiter … melde mich dann die Tage mal.
Wenn heuer das Digitalanalog-Festival sein 25-jähriges Bestehen feiert, muss vor allem auch das Durchhaltevermögen seiner Veranstalter:innen Claudia und Stefan Holmeier gewürdigt werden, die ressourcenorientiert allen Schwierigkeiten, die das Festival in all den Jahren durchaus auch bedrohten, stets mit ihren inspirierenden Visionen zu trotzen wussten. Tatsächlich waren es auch solche Visionen, mit denen die Holmeiers ursprünglich eigentlich nur ein von ihnen als Konzertgänger geschätztes Angebot des Kulturreferats in der t-u-b-e im Einstein aufwerten wollten. Weil solches Angebot, das damals in einem eigens dafür geschaffenen Raum die Möglichkeiten einer elektronischen Musik aufzeigen wollte, nur von sehr wenigen Insidern genutzt wurde, schlugen Claudia und Stefan Holmeier, Niel Mithra und Volker Rommel vor, mit einem werbewirksamen Festival eine größere Öffentlichkeit auf die spannenden Konzerte und Vorträge in der t-u-b-e aufmerksam zu machen. Prompt durften sie solchen Vorschlag selbst als Veranstalter verwirklichen. Weil kurz zusammengefasst dann aber eine großartige Tontechnik der t-u-b-e nicht mit dem Ruhebedürfnis der ebenfalls im Haus wohnenden Nachbarn harmonierte, musste sich letztlich auch das neugeborene Festival schon bald einen neuen Spielort suchen. Das allein wäre schon bemerkenswert, dass nämlich ein Festival, das eigentlich nur einen Kulturort bewerben wollte, sofort auch ohne diesen Ort als kulturelle Bereicherung dieser Stadt erkannt wurde. Also avancierte das Festival zu einer Art Wanderzirkus, dem es durchaus gelang, den unterschiedlichen Stationen seiner Wanderschaft ein neues Publikum zuzuführen. Trotzdem wurde schließlich der Gasteig am Rosenheimer Platz von 2007 bis 2021 zur Residenz des jährlichen Festivals, das die Möglichkeiten des größten Kulturzentrums Europas in einer bis dato hier wohl nicht einmal geahnten Weise auszuschöpfen verstand. Das überzeugte auch ein Publikum, das tatsächlich die unterschiedlichsten Bürger:innen und Besucher:innen Münchens generationenübergreifend vereinte. Solches Publikum konnte das Festival nach der temporären Schließung des Gasteigs zum Glück auch ins nahegelegene Muffatwerk locken. Damit beweist Digitalanalog einmal mehr, dass man auch mit einem hochkarätigen Line-up abseits des Mainstreams Menschen Menschen inspirieren kann. Solcher Ort einer kulturellen Begegnung ist darum auch die notwendige Selbstverteidigung einer offenen Stadtgesellschaft, die zum Schutz der sie prägenden Demokratie ihre kreative Seele nicht verkaufen darf.
Dirk Wagner (Süddeutsche Zeitung / m94.5) für den Digitalanalog e.V.